Was ist ein Kostenvoranschlag?
Ein Kostenvoranschlag beziffert die voraussichtlichen Reparaturkosten eines Fahrzeugschadens. Er ist schlanker und günstiger als ein Gutachten, enthält dafür aber weder Wertminderung noch Wiederbeschaffungs- und Restwert. Für Schäden unterhalb der Bagatellgrenze von etwa 750 bis 1.000 Euro ist er meist das richtige Mittel.
Nicht jeder Schaden rechtfertigt ein vollständiges Gutachten. Bei einer eingedrückten Tür ohne Strukturschaden, einem zerkratzten Stoßfänger oder einem abgerissenen Außenspiegel steht der Aufwand für ein Gutachten in keinem Verhältnis zum Schaden — und die gegnerische Versicherung erstattet die Gutachterkosten in solchen Fällen häufig nicht.
Was ein Kostenvoranschlag leistet — und was nicht
Der Kostenvoranschlag beziffert, was die fachgerechte Instandsetzung kostet: Arbeitswerte nach Herstellervorgabe, Ersatzteilpreise, Lackierarbeiten, Kleinteile und Material. Er ist damit eine belastbare Zahl für die Verhandlung mit der Versicherung oder für Ihre eigene Entscheidung.
Was er nicht enthält:
- Merkantile Wertminderung — der Wertverlust, der auch nach fachgerechter Reparatur bleibt
- Wiederbeschaffungs- und Restwert — die Grundlage für die Frage, ob sich eine Reparatur überhaupt lohnt
- Reparatur- und Wiederbeschaffungsdauer — die Grundlage für Nutzungsausfall oder Mietwagen
- Beweissicherung — ein Kostenvoranschlag dokumentiert Kosten, nicht den Zustand des Fahrzeugs zum Unfallzeitpunkt
Die Bagatellgrenze
Unterhalb von etwa 750 bis 1.000 Euro Schaden spricht man von einem Bagatellschaden. Dort ist der Kostenvoranschlag das übliche Mittel, und die Gutachterkosten wären in der Regel nicht erstattungsfähig. Die Grenze ist allerdings keine feste Zahl, sondern eine Einschätzung — und ob ein Schaden darunter liegt, weiß man sicher erst, wenn man ihn gesehen hat.
Genau deshalb schauen wir zuerst. Stellt sich heraus, dass der Schaden größer ist als er aussieht — was bei modernen Fahrzeugen mit Sensorik im Stoßfänger regelmäßig vorkommt —, sagen wir Ihnen das, bevor Sie sich mit einem Kostenvoranschlag zufriedengeben, der Ihnen Geld kostet.
Auch ohne Unfall
Ein Kostenvoranschlag ist nicht nur nach einem Unfall sinnvoll. Vor einer Leasingrückgabe, vor einem Verkauf oder bei der Frage, ob sich eine Reparatur an einem älteren Fahrzeug noch lohnt, ist er eine neutrale Zahl — erstellt von jemandem, der die Reparatur nicht selbst ausführt und deshalb kein Interesse an ihrem Umfang hat.
Wann Sie das brauchen
- Der Schaden ist klein und liegt erkennbar unter der Bagatellgrenze
- Die Versicherung hat Sie ausdrücklich um einen Kostenvoranschlag gebeten
- Sie wollen wissen, was eine Reparatur kostet, bevor Sie den Schaden überhaupt melden
- Vor einer Leasingrückgabe oder einem Verkauf soll ein Schaden beziffert werden
- Sie überlegen, ob sich die Reparatur an einem älteren Fahrzeug noch lohnt
Was Sie bereithalten sollten
Bringen Sie mit, was Sie haben — Fehlendes können wir meist nachreichen lassen.
- Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I)
- Schadennummer und Versicherung, falls der Schaden schon gemeldet ist
- Eigene Fotos vom Schaden, falls vorhanden
- Angaben zur Sonderausstattung, soweit sie den beschädigten Bereich betrifft
Fragen zum Kostenvoranschlag
Wann reicht ein Kostenvoranschlag statt eines Gutachtens?
Ein Kostenvoranschlag genügt in der Regel nur bei kleinen Schäden unterhalb der Bagatellgrenze. Er beziffert allein die Reparaturkosten — Wertminderung, Wiederbeschaffungs- und Restwert sowie die Ausfalldauer fehlen darin, und eine Beweissicherung ist er nicht.
Genau daran verdient bei einem unverschuldeten Unfall nur eine Seite: Wer sich mit einem Kostenvoranschlag abfinden lässt, verzichtet meist auf mehrere Positionen, die ihm zustehen.
