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Merkantiler Minderwert — einfach erklärt

Ihr Auto ist repariert und sieht aus wie neu. Trotzdem ist es weniger wert. Diesen Verlust müssen Sie nicht tragen.

Der merkantile Minderwert ist der Betrag, um den ein Fahrzeug nach einer fachgerechten Reparatur weniger wert ist als vor dem Unfall — allein deshalb, weil es nun ein Unfallfahrzeug ist und beim Verkauf angegeben werden muss. Er ist ein eigener Schadenposten und wird zusätzlich zu den Reparaturkosten ersetzt.

Warum ein repariertes Auto weniger wert ist

Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor zwei identischen Gebrauchtwagen. Gleiches Modell, gleiches Baujahr, gleiche Laufleistung, gleicher Zustand, gleicher Preis. Bei einem steht im Inserat: Unfallfahrzeug, fachgerecht instand gesetzt.

Welchen nehmen Sie?

Genau darum geht es. Der Markt zahlt für ein Unfallfahrzeug weniger — auch dann, wenn die Reparatur einwandfrei war und man nichts sieht. Der Grund ist nicht Technik, sondern Misstrauen: Käufer fürchten verdeckte Folgeschäden, und viele wollen die Diskussion beim Weiterverkauf nicht führen.

Dieser Wertverlust heißt merkantiler Minderwert. „Merkantil" bedeutet: kaufmännisch, den Handel betreffend. Er entsteht nicht am Fahrzeug, sondern am Markt.

Wann er anfällt

Nicht bei jedem Schaden. In Betracht kommt er vor allem, wenn mehrere Bedingungen zusammenkommen:

  • Das Fahrzeug ist verhältnismäßig jung — bei sehr alten Fahrzeugen mit hoher Laufleistung fällt der Unfall im Preis kaum noch ins Gewicht
  • Der Schaden war erheblich, nicht bloß ein Kratzer im Stoßfänger
  • Es wurden tragende oder sicherheitsrelevante Teile beschädigt oder erneuert
  • Das Fahrzeug ist am Markt gefragt

Es gibt keine feste Grenze, ab der er anfällt. Das ist eine Einzelfallbeurteilung, und genau dafür gibt es den Sachverständigen.

Wie er berechnet wird

Es existieren mehrere anerkannte Berechnungsmethoden, die je nach Fahrzeugalter, Schadenhöhe und Marktlage unterschiedlich gut passen. In die Bewertung fließen ein: Wiederbeschaffungswert, Höhe der Reparaturkosten, Art der beschädigten Teile, Alter und Laufleistung sowie die Marktgängigkeit des Modells.

Ein Sachverständiger wählt die Methode, die zum Fall passt, und begründet sie. Genau das macht den Unterschied zu einer Pauschalzahl.

Der entscheidende Punkt

Ein Kostenvoranschlag der Werkstatt weist den merkantilen Minderwert nicht aus. Er beziffert, was die Reparatur kostet — mehr nicht.

Wer sich nach einem unverschuldeten Unfall mit einem Kostenvoranschlag zufriedengibt, verzichtet damit stillschweigend auf diesen Posten. Je nach Fahrzeug sind das mehrere hundert bis mehrere tausend Euro.

Gilt das auch bei Leasingfahrzeugen?

Auch dort entsteht der Wertverlust — die Frage ist nur, wem er zusteht. Das hängt vom Leasingvertrag ab und ist eine Rechtsfrage. Sprechen Sie mit Ihrem Anwalt und mit der Leasinggesellschaft, bevor Sie abrechnen.

Veröffentlicht am · João Ricardo Matos Ferreira, Carputt KFZ-Sachverständiger Ferreira UG

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